Beim Abstillen gibt es kein Alter, an dem ein Kind plötzlich „zu alt“ für die Brust ist. Manche Familien beenden das Stillen nach einigen Monaten, andere stillen weit ins Kleinkindalter hinein. Entscheidend sind die Bedürfnisse des Kindes, die Ernährungssituation und ebenso das Wohlbefinden der stillenden Mutter. Wenn Mutter oder Kind nicht mehr stillen möchten, darf abgestillt werden – möglichst schrittweise und ohne unnötigen Druck.
Wer sein Baby oder Kleinkind sanft abstillen möchte, kann zunächst eine Stillmahlzeit auswählen, die im Alltag am wenigsten wichtig erscheint, und diese durch eine altersgerechte Alternative ersetzen. Erst wenn sich Mutter und Kind an diese Veränderung gewöhnt haben, folgt die nächste Stillmahlzeit. Gerade bei häufigem Stillen ist dieses langsame Vorgehen meist angenehmer für das Kind und auch für die Brust.
Wichtig ist allerdings das Alter: Bei einem Baby im ersten Lebensjahr kann eine Stillmahlzeit nicht einfach durch Wasser, Brot, Obst oder normale Kuhmilch ersetzt werden. Muttermilch beziehungsweise geeignete Säuglingsnahrung bleiben in diesem Alter eine wichtige Nährstoffquelle.
- Es gibt kein allgemein vorgeschriebenes Abstillalter.
- Beikost bedeutet nicht automatisch, dass abgestillt werden muss.
- Stillmahlzeiten möglichst nach und nach statt abrupt reduzieren.
- Bei Babys im ersten Lebensjahr auf eine altersgerechte Milchversorgung achten.
- Nähe und Beruhigung können beim Abstillen auf andere Weise erhalten bleiben.
- Bei Schmerzen, Fieber, starker Verhärtung oder Unsicherheit Hebamme beziehungsweise ärztliche Hilfe einholen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?
Die kurze Antwort lautet: Dann, wenn es für Mutter und Kind passt. Es gibt keinen Geburtstag, nach dem Stillen plötzlich falsch oder unnötig wäre.
Die österreichischen Stillempfehlungen sehen vor, dass auch nach Beginn der Beikost weitergestillt werden kann, solange Mutter und Kind dies möchten. Auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nach den ersten sechs Monaten die Einführung geeigneter Beikost bei gleichzeitig fortgesetztem Stillen bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Mutter zwei Jahre stillen muss. Eine Empfehlung für das Weiterstillen ist keine Verpflichtung. Persönliche Belastung, Beruf, Schlaf, erneute Schwangerschaft, körperliche Beschwerden oder schlicht der Wunsch, die Stillzeit zu beenden, dürfen bei der Entscheidung eine Rolle spielen.
Muss ich mit sechs Monaten abstillen?
Nein. Der Beginn der Beikost und das Abstillen sind zwei unterschiedliche Vorgänge.
Nach den österreichischen Beikostempfehlungen soll die Einführung fester Nahrung rund um den sechsten Lebensmonat erfolgen – abhängig vom Entwicklungsstand des Babys frühestens mit Beginn des fünften und spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats. Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung bleiben im ersten Lebensjahr dennoch wichtige Nährstoffquellen.
Beikost ergänzt die Milchernährung zunächst. Sie ersetzt nicht von einem Tag auf den anderen sämtliche Stillmahlzeiten.
Muss ich mit einem Jahr abstillen?
Ebenfalls nein. Die früher verbreitete Vorstellung, ein Kind dürfe ab zwölf Monaten nur noch morgens und abends gestillt werden, entspricht keiner allgemeinen aktuellen Empfehlung.
Ein gesundes Kleinkind, das bereits vielfältig am Familienessen teilnimmt, kann weiterhin gestillt werden. Ebenso kann eine Mutter zu diesem Zeitpunkt entscheiden, einzelne oder sämtliche Stillmahlzeiten zu beenden.
Sanft abstillen: So funktioniert es Schritt für Schritt
Beim schrittweisen Abstillen wird nicht sofort jede Stillmahlzeit gestrichen. Stattdessen verändert sich eine Situation nach der anderen.
1. Zuerst die einfachste Stillmahlzeit auswählen
Beginnen Sie nicht unbedingt mit jener Stillmahlzeit, an der Ihr Kind emotional am stärksten hängt. Bei vielen Kindern sind das Einschlafstillen, das Stillen unmittelbar nach dem Aufwachen oder nächtliche Stillmahlzeiten besonders wichtig.
Ein Stillen am Vormittag oder Nachmittag lässt sich möglicherweise leichter verändern, wenn das Kind ohnehin gerade spielt, unterwegs ist oder eine reguläre Mahlzeit ansteht.
Beobachten Sie einige Tage:
- Wann verlangt mein Kind tatsächlich nach Milch? Hunger und Durst sollten selbstverständlich ernst genommen werden.
- Wann geht es eher um Nähe? Manchmal möchte das Kind kuscheln, müde werden oder sich nach einem kleinen Schreck beruhigen.
- Welche Stillmahlzeit wird gelegentlich ohnehin vergessen? Genau diese ist häufig ein guter Ausgangspunkt.
2. Nur eine Veränderung auf einmal
Wenn eine Stillmahlzeit entfällt, müssen nicht am nächsten Tag gleich zwei weitere folgen. Geben Sie Ihrem Kind und Ihrem Körper Gelegenheit, sich an die neue Situation anzupassen.
Wie lange dieser Übergang dauert, lässt sich nicht pauschal festlegen. Bei manchen Familien reichen einige Tage, andere benötigen deutlich länger.
Ein langsameres Vorgehen hat einen weiteren Vorteil: Die Milchbildung kann sich schrittweise an die geringere Nachfrage anpassen.
3. Nicht nur die Brust wegnehmen – eine Alternative anbieten
Stillen erfüllt häufig mehr Bedürfnisse als nur Hunger. Es bedeutet Nähe, Körperkontakt, Ruhe und einen vertrauten Ablauf. Genau deshalb klappt Abstillen oft besser, wenn nicht einfach etwas wegfällt, sondern ein neues Ritual entsteht.
Mögliche Alternativen sind je nach Alter:
- Kuscheln: Das Kind bekommt weiterhin die gewohnte körperliche Nähe.
- Vorlesen: Ein vertrautes Bilderbuch kann eine neue Ruhephase einleiten.
- Gemeinsame Jause: Bei einem älteren Baby oder Kleinkind kann eine reguläre Mahlzeit eine bisherige Stillphase ablösen.
- Spaziergang: Manche eingefahrene Stillroutine lässt sich leichter verändern, wenn die Situation selbst verändert wird.
- Partner oder Partnerin einbeziehen: Besonders bei Schlafritualen kann eine andere vertraute Bezugsperson hilfreich sein.
4. Altersgerechte Getränke anbieten
Mit Beginn der Beikost kann zusätzlich Flüssigkeit angeboten werden. Wasser ist dafür eine gute Wahl. Ein kleiner Becher oder Trinklernbecher kann beim Übergang hilfreich sein.
Wichtig: Wasser ersetzt bei einem Säugling nicht automatisch die wegfallende Muttermilch. Wenn im ersten Lebensjahr vollständig oder teilweise abgestillt wird, muss weiterhin eine ausreichende altersgerechte Ernährung gewährleistet sein. Wird nicht oder nicht ausreichend gestillt, ist Säuglingsanfangsnahrung die dafür vorgesehene Alternative.
Praktische Trinklernbecher für den Alltag
Wenn Ihr Baby bereits Beikost bekommt und Wasser angeboten wird, kann ein gut greifbarer Becher den selbstständigen Umgang mit Getränken erleichtern. Welche Form akzeptiert wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.
Mehr zum Trinkverhalten finden Eltern im Ratgeber Wie kann ich mein Baby zum Trinken animieren?. Bei Säuglingen sollte eine auffällig geringe Trinkmenge allerdings nicht ausschließlich mit Tricks oder einem anderen Becher gelöst werden, sondern bei Unsicherheit medizinisch abgeklärt werden.
Baby abstillen und Kleinkind abstillen: Wo liegt der Unterschied?
Ob ein sechs Monate altes Baby oder ein zweijähriges Kleinkind abgestillt wird, macht im Alltag einen erheblichen Unterschied.
Abstillen im ersten Lebensjahr
Im ersten Lebensjahr spielt Milch ernährungsphysiologisch weiterhin eine zentrale Rolle. Die österreichischen Empfehlungen halten ausdrücklich fest, dass Muttermilch beziehungsweise Säuglingsanfangsnahrung wichtige Nährstoffquellen bleiben.
Wird nicht oder nur teilweise gestillt, wird geeignete Säuglingsanfangsnahrung verwendet. Normale Beikost allein ist bei einem jungen Baby daher kein vollständiger Ersatz für die gesamte Milchernährung.
Wer vor dem ersten Geburtstag vollständig abstillen möchte und hinsichtlich Menge oder Auswahl der Ersatznahrung unsicher ist, sollte dies mit Kinderärztin, Kinderarzt oder Hebamme besprechen.
Kleinkind abstillen
Bei einem Kleinkind geht es häufig weniger um den Ersatz einer einzelnen Nahrungsquelle als um fest verankerte Rituale.
Typische Situationen sind:
- Stillen beim Aufwachen: Das Kind verbindet den Tagesbeginn mit Nähe an der Brust.
- Stillen zum Einschlafen: Saugen ist Teil des Einschlafrituals geworden.
- Stillen bei Frust: Nach einem Sturz, Streit oder anstrengenden Tag sucht das Kind Beruhigung.
- Stillen aus Gewohnheit: Bestimmte Plätze oder Tageszeiten lösen den Wunsch nahezu automatisch aus.
Hier hilft es häufig, zuerst zu erkennen, welches Bedürfnis hinter einer Stillmahlzeit steht. Trost kann durch Kuscheln entstehen, Müdigkeit durch ein neues Abendritual begleitet werden und Langeweile durch gemeinsame Aktivität.
Das bedeutet nicht, das Kind vom Wunsch nach Nähe „abzulenken“. Nähe bleibt wichtig – lediglich ihre Form verändert sich.
Nachts abstillen: Muss gleichzeitig komplett abgestillt werden?
Nein. Nachtabstillen und vollständiges Abstillen sind nicht dasselbe.
Eine Familie kann beispielsweise entscheiden, tagsüber weiterzustillen und nur die nächtlichen Stillmahlzeiten schrittweise zu reduzieren. Ebenso ist der umgekehrte Weg möglich.
Gerade nachts sollte der Plan zum Alter und zur Ernährung des Kindes passen. Bei einem jungen Säugling dürfen nächtliche Mahlzeiten nicht einfach gestrichen werden, nur weil Eltern längere Schlafphasen erreichen möchten.
Bei einem älteren Kleinkind können hingegen neue Einschlaf- und Beruhigungsrituale ausprobiert werden:
- Kuscheln statt automatisch stillen: Manchmal reicht zunächst Körperkontakt.
- Andere Bezugsperson übernimmt: Mama ist dann nicht automatisch mit Stillen verbunden.
- Ritual immer ähnlich gestalten: Zähneputzen, Buch, Lied und Kuscheln geben Orientierung.
- Veränderung ankündigen: Ein Kleinkind kann einfache Erklärungen bereits gut verstehen.
- Nicht mehrere große Umstellungen gleichzeitig: Abstillen, neues Bett und Start in der Kinderbetreuung gleichzeitig können unnötig viel Veränderung bedeuten.
Wenn gleichzeitig ein Wechsel vom Beistellbett geplant ist, kann es sinnvoll sein, beide Veränderungen bewusst zu entzerren. Dazu passt unser aktueller Ratgeber Wie lange darf ein Baby im Beistellbett schlafen?.
Was tun, wenn das Kind beim Abstillen weint?
Weinen bedeutet nicht automatisch, dass das Abstillen falsch ist. Ein Kind darf enttäuscht oder wütend sein, wenn eine liebgewonnene Gewohnheit verändert wird.
Der Unterschied liegt darin, wie Eltern damit umgehen.
Ein Kleinkind kann beispielsweise hören:
„Du möchtest jetzt trinken. Ich weiß. Heute kuscheln wir uns zusammen und lesen dein Buch.“
Das Bedürfnis und die Enttäuschung werden damit nicht ignoriert. Gleichzeitig bleibt die vereinbarte Grenze bestehen.
Wenn das Kind allerdings offensichtlich hungrig oder durstig ist, muss natürlich eine geeignete Nahrung beziehungsweise Flüssigkeit angeboten werden.
- Gefühle des Kindes ernst nehmen.
- Nähe weiterhin anbieten.
- Eine verständliche und wiedererkennbare neue Routine schaffen.
- Bei einem gesetzten Schritt möglichst ruhig und verlässlich bleiben.
- Bei Überforderung das Tempo reduzieren statt den Prozess in einen Machtkampf zu verwandeln.
Kann man abrupt abstillen?
Manchmal muss Stillen aus persönlichen oder medizinischen Gründen schneller beendet werden. Wenn eine Wahl besteht, ist ein schrittweises Vorgehen jedoch meistens angenehmer.
Zu schnelles Abstillen zählt laut österreichischem Gesundheitsportal zu den Faktoren, die einen Milchstau beziehungsweise eine Brustentzündung begünstigen können. Wird die Brust plötzlich deutlich weniger entleert, braucht der Körper Zeit, um die Milchproduktion entsprechend herunterzufahren.
Deshalb gilt: Nicht unnötig von heute auf morgen sämtliche Stillmahlzeiten streichen.
Was tun, wenn die Brust beim Abstillen spannt?
Ein Spannungsgefühl kann auftreten, wenn eine Stillmahlzeit wegfällt und die Brust zunächst noch die gewohnte Milchmenge produziert.
Wird die Brust stark schmerzhaft, deutlich gerötet oder geschwollen, treten Verhärtungen, Fieber oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auf, sollte dies nicht einfach als normale Begleiterscheinung des Abstillens abgetan werden. Eine Mastitis beziehungsweise ein Milchstau sollte fachlich beurteilt werden.
Hebammen, Frauenärztinnen und Frauenärzte sowie qualifizierte Still- und Laktationsberaterinnen können hier unterstützen.
Muss ich wegen Medikamenten abstillen?
Nicht automatisch. Das österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin, dass während der Stillzeit nicht grundsätzlich auf Medikamente verzichtet werden muss. Manche Wirkstoffe gehen allerdings in die Muttermilch über.
Deshalb sollte eine notwendige Behandlung nicht eigenmächtig abgesetzt – aber auch nicht vorschnell abgestillt – werden. Besprechen Sie mit Ärztin oder Arzt, welches Medikament verwendet wird und welche stillverträglichen Alternativen gegebenenfalls bestehen.
Abstillen wegen Kindergarten oder Arbeit?
Der Einstieg in Kinderbetreuung oder Beruf bedeutet ebenfalls nicht automatisch, dass vollständig abgestillt werden muss.
Stillen kann beispielsweise auf morgens, nach dem Wiedersehen oder abends beschränkt werden, wenn dies für die Familie funktioniert. Andere Mütter empfinden genau diesen Zeitpunkt als passend, die Stillzeit schrittweise zu beenden.
Beides ist möglich. Entscheidend ist eine Lösung, die tatsächlich zum Familienalltag passt.
Die häufigsten Fehler beim Abstillen
- Zu viele Stillmahlzeiten gleichzeitig streichen: Das erschwert die Anpassung für Kind und Brust.
- Beikost mit vollständigem Milchersatz verwechseln: Besonders im ersten Lebensjahr ist das wichtig.
- Ein fixes Alter erzwingen: Es gibt keinen allgemeinen Stichtag für das Ende der Stillzeit.
- Nähe gleichzeitig reduzieren: Das Kind verliert dann nicht nur die Brust, sondern auch ein vertrautes Beruhigungsritual.
- Schmerzen ignorieren: Starke Beschwerden, Rötung oder Fieber gehören abgeklärt.
- Zu viel gleichzeitig verändern: Abstillen funktioniert oft leichter, wenn andere große Umstellungen etwas Abstand haben.
Ein mögliches Beispiel für sanftes Abstillen
Es gibt keinen perfekten Wochenplan, aber ein Beispiel macht das Prinzip verständlicher.
Ausgangssituation: Ein älteres Baby beziehungsweise Kleinkind wird morgens, vormittags, nachmittags, zum Einschlafen und nachts gestillt.
- Erster Schritt: Die Stillmahlzeit am Vormittag entfällt und wird – je nach Alter – in die normale Mahlzeiten- beziehungsweise Beikostroutine integriert.
- Zweiter Schritt: Nach einigen Tagen oder sobald sich die Situation eingespielt hat, wird das Stillen am Nachmittag verändert.
- Dritter Schritt: Das Einschlafritual wird um Buch, Lied oder Kuscheln ergänzt, noch bevor das Einschlafstillen selbst verändert wird.
- Vierter Schritt: Erst danach wird entschieden, wie mit Abend-, Morgen- oder Nachtstillen weiterverfahren wird.
Dieser Ablauf ist lediglich ein Beispiel. Ein Baby unter einem Jahr benötigt bei wegfallenden Stillmahlzeiten weiterhin eine altersgerechte Milchversorgung. Die konkrete Vorgehensweise hängt daher immer auch vom Alter, Entwicklungsstand und bisherigen Essverhalten ab.
Wann sollte ich beim Abstillen Hilfe holen?
Unterstützung ist insbesondere sinnvoll, wenn:
- die Brust stark schmerzt, gerötet oder deutlich verhärtet ist,
- Fieber oder starkes Krankheitsgefühl auftreten,
- das Baby im ersten Lebensjahr kaum andere Milch annimmt,
- Gewichtsentwicklung oder Trinkmenge Sorgen bereiten,
- Abstillen aus medizinischen Gründen sehr schnell erfolgen soll,
- Medikamente eingenommen werden müssen,
- Stillen oder Abstillen für Mutter oder Kind zu einer starken Belastung wird.
In Österreich sind Hebammen wichtige Ansprechpartnerinnen für Fragen rund um Stillen und Ernährung im ersten Lebensjahr. Zusätzlich gibt es qualifizierte Still- und Laktationsberatung, unter anderem über den Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs.
FAQ: Häufige Fragen zum Abstillen
Wann sollte man spätestens abstillen?
Es gibt keinen allgemein gültigen Zeitpunkt, zu dem spätestens abgestillt werden muss. Die österreichischen Empfehlungen sehen vor, dass nach Einführung der Beikost weitergestillt werden kann, solange Mutter und Kind dies möchten. Auch Stillen im Kleinkindalter ist daher grundsätzlich möglich.
Wie lange dauert sanftes Abstillen?
Das lässt sich nicht pauschal festlegen. Manche Familien reduzieren Stillmahlzeiten innerhalb weniger Wochen, bei anderen zieht sich der Übergang über mehrere Monate. Entscheidend ist weniger ein bestimmter Kalender als die Frage, wie Mutter, Kind und Milchbildung mit den Veränderungen zurechtkommen.
Welche Stillmahlzeit sollte man zuerst weglassen?
Meist eignet sich eine Mahlzeit, die für das Kind emotional weniger wichtig ist. Einschlaf-, Aufwach- und Nachtstillen sind häufig stärker mit Nähe und Beruhigung verbunden und werden deshalb oft erst später verändert.
Was gebe ich meinem Baby statt Muttermilch?
Das hängt vom Alter ab. Wird ein Baby im ersten Lebensjahr nicht oder nur teilweise gestillt, ist geeignete Säuglingsanfangsnahrung die vorgesehene Alternative. Beikost und Wasser allein ersetzen bei einem jungen Säugling nicht automatisch die gesamte Milchernährung.
Kann ich mein Kind mit zwölf Monaten komplett abstillen?
Ja, grundsätzlich kann eine Mutter entscheiden, die Stillzeit zu beenden. Gleichzeitig gibt es keine Empfehlung, wonach mit zwölf Monaten zwingend abgestillt werden müsste. Das Vorgehen sollte zur Ernährung und Entwicklung des Kindes passen.
Kann ich nur nachts abstillen?
Ja. Nachtabstillen muss nicht vollständiges Abstillen bedeuten. Bei älteren Babys und Kleinkindern können Stillzeiten tagsüber bestehen bleiben. Bei jungen Säuglingen sollte die Reduktion nächtlicher Mahlzeiten jedoch nicht ohne Blick auf Alter, Wachstum und Nahrungsaufnahme erfolgen.
Was mache ich, wenn mein Kind nach der Brust verlangt?
Bei einem Kleinkind können Eltern den Wunsch ruhig benennen und eine Alternative anbieten: Kuscheln, Tragen, ein Buch, ein Lied oder eine gemeinsame Mahlzeit. Wichtig ist, zwischen Hunger beziehungsweise Durst und dem Bedürfnis nach Nähe oder Beruhigung zu unterscheiden.
Kann zu schnelles Abstillen einen Milchstau verursachen?
Zu schnelles Abstillen kann einen Milchstau beziehungsweise eine Brustentzündung begünstigen. Deshalb ist ein schrittweises Reduzieren der Stillmahlzeiten häufig sinnvoll. Bei starken Schmerzen, Rötung, Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl sollte medizinische Hilfe gesucht werden.
Muss ich beim Beginn der Beikost abstillen?
Nein. Beikost und Stillen können parallel stattfinden. In Österreich wird die Einführung von Beikost rund um den sechsten Lebensmonat empfohlen, während Muttermilch beziehungsweise Säuglingsanfangsnahrung im ersten Lebensjahr wichtige Nährstoffquellen bleiben.
Ist Stillen mit zwei Jahren noch normal?
Ja. Die WHO empfiehlt fortgesetztes Stillen bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus, sofern es gewünscht ist. Eine Familie darf selbstverständlich auch früher abstillen. Entscheidend ist eine informierte und passende Entscheidung für Mutter und Kind.
Fazit: Beim Abstillen gibt es keinen Wettlauf
Abstillen ist kein Test dafür, wie selbstständig ein Kind ist – und langes Stillen ist ebenso wenig ein Beweis für besonders gute Elternschaft. Familien dürfen ihren eigenen Zeitpunkt finden.
Für einen möglichst entspannten Übergang hilft meist ein einfaches Prinzip: eine Stillmahlzeit nach der anderen verändern, das Alter und die notwendige Ernährung des Kindes berücksichtigen und die vertraute Nähe nicht gleichzeitig verschwinden lassen.
Vor allem der alte Gedanke, ein Kind müsse ab zwölf Monaten nur noch zu ganz bestimmten Zeiten gestillt oder zwingend bald vollständig abgestillt werden, ist zu pauschal. Aktuelle österreichische Empfehlungen stellen vielmehr die Bedürfnisse von Mutter und Kind in den Mittelpunkt.
Und wenn der Körper beim Reduzieren der Stillmahlzeiten mit Schmerzen, Verhärtung, Rötung oder Fieber reagiert oder Unsicherheit bei der Ernährung des Babys besteht, ist professionelle Beratung sinnvoller als weiteres Experimentieren.
Quellen & weiterführende Informationen
- Sozialministerium Österreich: Stillen und Beikost
- Gesundheitsportal Österreich: Ernährung von Säuglingen und Beikost
- Gesundheitsportal Österreich: Brustentzündung in der Stillzeit
- World Health Organization: Infant and young child feeding
- Österreichisches Hebammengremium: Stillen und Stillberatung
- VSLÖ: Still- und Laktationsberatung in Österreich
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Hebamme, Kinderärztin, Kinderarzt, Frauenärztin, Frauenarzt oder qualifizierte Still- und Laktationsberatung. Besonders bei Säuglingen im ersten Lebensjahr, auffälliger Gewichtsentwicklung, Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Beschwerden der Brust sollte die individuelle Situation fachlich abgeklärt werden.
Letzte Aktualisierung am 29.08.2026 um 09:36 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API
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